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Sorgt das Internet für mehr Demokratie?

Ich beschäftige mich im Moment für die Uni mit dem Thema Internet und Populismus. Dabei stoße ich immer wieder auf die Frage, ob das Internet für mehr Demokratie und für mehr politische Deliberation sorgt, oder nicht.

Natürlich gibt es viele Argumente, die für das Internet sprechen: Fast jeder ist in der Lage das Internet zu nutzen. Die Informationsübertragung und die Kommunikation sind dank des Internets unfassbar schnell und günstig. Jeder kann seinen eigenen Blog erstellen, in Foren unterschiedlichster Art diskutieren, oder Youtube-Videos zu jedem erdenklichen Thema hochladen. Umgekehrt hat jeder, der einen Internetzugang hat, die Möglichkeit diese Inhalte zu konsumieren.

Im Internet kann man zu jedem Thema Informationen und Communities finden, ob Star Trek Fanclub oder vegane und glutenfreie Rezepte für Muffins. Wir können uns mit jedem auf der Welt vernetzen und die geographischen Grenzen verlieren immer mehr an Bedeutung. Personen, die sich in der realen Welt nie getroffen hätten, werden durch das Internet beste Freunde.

vegane glutenfreie MuffinsStar Trek Screenshot

(http://www.chefkoch.de/rezepte/3136951467150110/Muffins-vegan-eifrei-milchfrei-glutenfrei.html) (http://www.sternenbasis-wilhelmshaven.de/)

Die Informationen, die wir im Internet finden können, bieten eine unglaubliche Vielfalt, verschiedenste politische Meinungen werden verteidigt. Jede erdenkliche Kultur ist vertreten, jede Religion, jeder Glaube und jede Sekte sind im Internet unterwegs und Menschen unterschiedlichster Herkunft finden dort ihren Platz.

So wird nicht nur die Kommunikation zwischen Privatpersonen auf der kompletten Welt ermöglicht, sondern auch die Kommunikation zwischen Politikern und den Bürgern oder den Medien und den Lesern. Dank des Internets ist es viel einfacher direktes Feedback in den Kommentarspalten von Online-Zeitungen zu geben oder auf Tweets von Politikern zu reagieren.

Doch sorgt das Internet wirklich für mehr Vielfalt und bessere und direktere Kommunikation?

Durch die Algorithmen von Suchmaschinen und Webseiten bilden sich filter bubbles um uns herum. Wir finden nur noch das bei Google, was unseren vorherigen Suchanfragen entspricht. Vielleicht gelangen wir so sogar in sogenannte echo chambers. Echo chambers beschreiben das Phänomen, wenn sich eine Person beispielsweise extrem für den Ausbau der deutschen Autobahnen einsetzt (ich versuche ein mit nicht allzu viel Spannung geladenes Thema auszuwählen). Diese Autobahn Person folgt auf Twitter im Extremfall nur anderen Leuten, die auch für den Ausbau von Autobahnen sind. Durch die anderen hört man also nur noch ein Echo der eigenen Meinung, so verstärkt sie sich.

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Einige Wissenschaftler vermuten, dass dieses Phänomen auch bei Anders Breivik aufgetreten ist und er sich ohne das Internet, filter bubble und echo chamber nie so sehr radikalisiert hätte. Selbstverständlich ist das ein sehr krasses Beispiel.

Werden wir durch die filter bubble blind? Im Internet sind unzählige Informationen und Meinungen. Natürlich muss der Mensch filtern. Doch wie tief befinden wir uns in unserer filter bubble? Wird die bubble schon zu einer echo chamber?

Nicht zu vergessen sind natürlich die fake news. Was soll man eigentlich noch glauben? Ich habe gelesen, dass Russland die Annektion der Krim nie so gelungen wäre, wenn Prorussische Akteure die Medien nicht manipuliert hätten.

Filter bubbles, echo chambers, fake news und so weiter…kein Wunder, dass meine Oma mit dem Internet nichts zu tun haben will. Aber ist das der richtige Weg?

Ich weiß nicht, ob das Internet für mehr Demokratie sorgt oder die Demokratie gefährdet. Ich weiß nur, dass das Internet mit seiner Personalisierung und Individualisierung ganz anders funktioniert als Massenmedien wie Radio oder Fernsehen. Und ich weiß, dass das Internet an sich nicht gut oder böse ist. Die Voraussetzungen des Internets unterscheiden sich von denen von anderen Medien, keine Frage. Doch es kommt darauf an, was wir mit dem Medium machen. Jedes Medium kann missbraucht werden, das haben Hitler und Goebbels leider bewiesen.

Es kommt auf uns an, wie wir das Internet benutzen. Wir sollten uns das Internet zunutze machen, um unseren Horizont zu erweitern, mit Leuten auf der anderen Seite der Erde in Kontakt zu treten oder etwas über fremde Kulturen zu lernen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr eine Meinung zu dem Thema habt und einen Kommentar da lassen würdet 🙂

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Digital-Detox oder Mittagspause ohne Handy

Ich habe heute Mittagspause ohne Handy gemacht. Man kann es nicht wirklich als Mittagspause bezeichnen, da ich nur im Vorraum der Uni-Bibliothek ein Brötchen gegessen habe und einen Kaffee getrunken habe. Man kann auch nicht wirklich sagen, ohne Handy, denn mein Handy war die ganze Zeit in meiner Tasche, ich habe es nur nicht benutzt. Soviel dazu.

Ich möchte das jetzt nicht als Digital-Detox oder Smartphone-Auszeit bezeichnen, es kam einfach so. Und ich finde, das sollte öfter einfach mal so kommen. Ich mag das nicht, dass ganze Urlaube oder „Erlebnistage“ als Digital-Detox vermarktet und teuer verkauft werden. „Buchen Sie jetzt mit ihrer Smartphone-App ein Wochenende ohne Social-Stress und entspannen Sie so richtig.“ Das ist doch paradox.

Es ist doch viel schöner, wenn das einfach mal so passiert. Ich gebe zu, mir passiert das selten. Wenn ich in meiner Freizeit zu Hause eine Serie gucke und dann zwischendurch mal aufs Klo muss, dann pausiere ich die Folge und mache das Radio an. Ja nichts von der Serie verpassen, aber bloß keine Stille ertragen. Nur um 2 Minuten aufs Klo zu gehe – absurd. Geht das nur mir so, dass ich die Stille in meiner eigenen Wohnung nur selten ertrage?

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Den ganzen Tag lassen wir uns bedudeln, berieseln, volltexten, vollquatschen…Kein Wunder, dass manche Leute das Gefühl bekommen Digital-Detox machen zu müssen. Aber zurück zu meiner Mittagspause. Ich arbeite im Moment an meiner Bachelorarbeit und sitze den größten Teil meines Tages in der Bibliothek vor meinem Laptop. Oder ich sitze zu Hause vor meinem Laptop. Oder ich sitze vor einem Buch, ist das schon Digital-Detox? Auf jeden Fall saß ich heute Vormittag auch wieder die ganze Zeit vor meinem Laptop. Kopfhörer natürlich in den Ohren. Irgendwann war es mir dann genug und ich holte mir meinen eher-nicht-wohlverdienten Kaffee (ich war vorher nicht allzu produktiv) und ein Brötchen.

Ich setzte mich auf eine der Bänke vor der Bibliothek, in den Bereich, indem man nicht strafgesetzlich verfolgt wird, wenn man etwas anderes als Wasser aus Flaschen zu sich nahm. Ich weiß nicht, wie es dazu kam aber ich hatte irgendwann beim Bäcker mein Handy in meine Tasche geschmissen und seitdem kurzzeitig vergessen.Da saß ich also auf dieser Bank mit meinem Kaffee und dem Brötchen und ließ so meine Gedanken schweifen. Okay, ich gebe es zu ich beobachtete hauptsächlich die Menschen, die an mir vorbeiliefen.

Ich würde sagen, fünfundsiebzig Prozent davon waren Studenten-Hipster. Weiße Sportsocken in Sneakers bis zu den Knöchel hochgezogen liefen an mir vorbei. Ein alter Mann mit schneeweißen Haaren rannte auf das Bibliotheksgebäude zu. Er war mit mindestens vier Taschen beladen. Im Gebäude angekommen flitzte er weiter. Wohin bloß und warum? Warum hatte er so viele Taschen? Wahrscheinlich einer dieser verrückten Professoren.
Eine Studentin telefonierte schon seit mindestens einer viertel Stunde auf Italienisch. Außer „Si“ verstand ich nicht viel. Irgendwann verschwand sie nach Draußen zum Rauchen und die südländische Hintergrundmusik meiner Mittagspause war verschwunden.Hipster Nummer 23 lief an mir vorbei, ganz in schwarz-grau.

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Als mein Kaffee halb leer war, fiel mir auf, dass ich weder Musik hörte, noch mit irgendjemand auf whatsapp schrieb oder sonst wie an meinem Smartphone herumdaddelte. Das gefiel mir. Die Leute im realen Leben waren doch genauso interessant zu beobachten wie die virtuellen. Das könnte ich öfter mal machen. Vielleicht sollte ich eine Smartphone-freie-Mittagspause einführen. Obwohl, nee das klang mir schon wieder viel zu sehr nach Digital-Detox. Es ist doch viel besser, wenn das einfach so kommt. Ohne Zwang. Ist da ein Zwang oder eine Herausforderung oder etwas, was wir uns bewusst vornehmen müssen, dann gestehen wir uns ja auch selber irgendwie ein, dass wir süchtig sind. Oder zumindest uns in einer Vorstufe der Sucht befinden.

Ich habe gestern im Radio (ja ich gebe es zu, im Radio, das ich über Smartphone oder Laptop höre, da ich kein Radiogerät habe) gehört, das viele Leute besonders jetzt in der Zeit nach Fasching, „Smartphone-Fasten“ machen. Vom Fasten habe ich noch nie viel gehalten. Zu viel Zwang. Zu wenig langfristig. Was bringt euch das denn, wenn ihr eine Woche in die Digital-Detox-Kur fahrt aber dann das gesamte Jahr 24/7 vor dem Touchscreen hängt? Was bringt es einem, wenn man zwischen Fasching und Ostern keine Süßigkeiten zu sich nimmt, danach ganz normal weiter isst und an Weihnachten futtert, als ob ein Lebensmittelengpass bevorsteht? Ich habe nichts gegen Essen, ich liebe Essen und genauso geht es mir mit meinem Handy und meinem Laptop. Ich mag nur dieses Kurzfristige und Gezwungene nicht.

Warum sagt ihr euch nicht „Hey das war nett ohne auf das Handy zu schauen  meine Mittagspause zu verbringen. Das wäre cool, wenn das mal öfter so wäre“? Und dann, ganz locker, öfter mal die Mittagspause ohne Smartphone verbringen . Oder meinetwegen auf dem Weg zur Arbeit nicht drauf zu gucken, wenn es in der Pause unentbehrlich ist. Aber nicht nur für eine Woche oder fünf und dann das Ende erwartungsvoll herbeihecheln wie ein Hund sein Leckerli. Einfach langfristig und ohne Zwang!

späti story: „Berliner Luft“ und Eier

 

Ich arbeite neben meines Studiums bei einem Späti. Logischerweise arbeite ich deshalb nachts und manchmal begegnen einem da schon merkwürdige Leute, oder es passieren lustige Dinge. Natürlich nichts Welt bewegendes aber vielleicht das ein oder andere unterhaltsame Erlebnis. Hier das erste…

Freitagabend irgendwann nach 23:00 Uhr:

„Zurück in die Zukunft“ war leider gerade vorbei (ja ich genieße das Privileg fern bei der Arbeit schauen zu können) und langsam lief nur noch Scheiß im Fernsehen. Wie das halt so ist, bei fortgeschrittener Stunde. Zum Glück war meine Schicht bald zu Ende.

Ein junger Hipster, ganz in Grau, kam rein und kaufte zwei Augustiner und Zigaretten -typisch. Eine Minute nachdem er den Laden verlassen hatte, kam er schon wieder und fragte mich ob ich „Berliner Luft“ hätte. Davon hatte ich noch nie was gehört. Vielleicht bin ich einfach schlecht informiert, aber hier in Weimar gibt es eher weniger Berliner Luft. Dafür ist die Entfernung dann doch zu groß.

Hier gibt es eben eher Weimarer Luft, oder Pfeffi, den der Hipster dann mitnahm. Ich hab zwar das Gefühl, dass Berliner Luft irgendwie cooler ist als Nordhäuser Pfeffi, aber wer weiß…

Auf den Berliner Luft Hipster folgten einige nette bis ereignislose Kunden.

Kurz vor Ende meiner Schicht kam mein Kollege, um mich abzulösen. Er blieb in der Tür stehen und zeigte auf die andere Straßenseite. Wir traten vor den Laden und beobachteten eine mittel alte Frau, die Eier an die gegenüberliegende Hauswand warf – gegen das Büro der CDU wohlgemerkt. Die Vandaliererin schien uns bemerkt zu haben und zeterte irgendwas Unverständliches, leicht verrückt Klingendes. Ich bekam langsam Schiss, dass wir auch gleich mit Eiern beworfen wurden, also nahm ich lieber wieder meinen Platz hinter der Kasse ein.

Die restliche Schicht verlief ruhig, als ich jedoch den Laden verließ,  wurde ich von einem Polizisten angesprochen. Da merkt man mal, wie viel hier in Weimar so los ist, wenn da gleich bei ein paar geworfenen Eiern die Polizei anrückt. Nachdem ich meinen Namen genannt hatte und beschrieben, was ich beobachtet hatte durfte ich aber dann zum Glück gehen. Kein Verhör auf der Polizeiwache.

Ein ganz normaler Abend in „Weimars ersten und einzigen Späti“. War mir aber dann doch lieber als irgendwelche Putschversuche oder Terroristen.

Die Eierschalen klebten übrigens am Samstag immer noch an der CDU.

Tattoos – Auf der Suche nach Ewigkeit?

Ich bin seit einiger Zeit tätowiert und habe mir vor kurzer Zeit wieder ein Tattoo stechen lassen. Dementsprechend mache ich mir ab und zu so meine Gedanken über diese Art der Kunst.

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Ich habe ein paar Tattoos, nicht viele, aber es sind immerhin bis jetzt sechs Stück.
Seit ich hier in Barcelona wohne, habe ich mir zwei stechen lassen. Denn hier gibt es einige sehr gute Tätowierer. Bin ich zumindest der Meinung. Mein letztes Tattoo habe ich mir vor anderthalb Wochen stechen lassen und ich bin wirklich zufrieden.

Tun Tattoos weh?
Ja.

Und jeder der etwas anderes behauptet, der lügt oder hat ein Problem mit seinem Schmerzempfinden, denke ich.
Klar es gibt Stellen und Tattoos, die sind echt harmlos und ertragbar. Aber während des Tätowierens werden Nadeln mit Tinte in deine Haut gestochen, also bitte. Das tut weh!
Aber ich finde die Schmerzen sind das wunderschöne Ergebnis echt wert. Dieser Meinung bin ich zwar nicht unbedingt, wenn der Tätowierer nach zwei Stunden immer noch nicht fertig ist und ich eine ordentliche Summe Geld losgeworden bin. Aber ein oder zwei Monate später holt mich die Sucht dann wieder ein und ich muss unbedingt das nächste Tattoo haben.
Ich bin glaube ich manchmal ein wenig leichtsinnig, oder oft zu spontan was Tattoos angeht. Die letzten zwei Mal habe ich das genaue Motiv erst drei Minuten vor dem Tätowieren zu Gesicht bekommen. Ich bereue jedoch bisher noch nichts. Gut, ich bin auch erst 19 und habe seit zwei Jahren Tattoos, da war noch nicht so viel Zeit zum Meinung ändern oder Bereuen.

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Ich weiß nicht genau, warum ich Tattoos so gerne mag und dieser Sucht nicht widerstehen kann. Natürlich finde ich Tattoos wunderschön. Zumindest viele. Aber ich glaube, dass ich nicht nur wegen den Motiven, oder ihrer Bedeutung diese Schmerzen ertrage.
Da ist noch mehr. Ich glaube, dass ich ein wenig auf der Suche nach Beständigkeit bin. Vielleicht nicht nur Beständigkeit, sondern auch Ewigkeit. Und das finde ich ein bisschen in dieser Kunst.
Unsere Welt ist so unglaublich unbeständig und ändert sich so schnell. Da sehne ich mich manchmal nach etwas, auf das ich mich verlassen kann. Das immer bei mir bleibt. Etwas, das ich nicht mehr vergesse und das mich immer begleitete.
Ich habe Tattoos, die keine große Bedeutung haben, die ich einfach nur schön finde.
Aber mit jedem Werk verbinde ich ein bestimmtes Gefühl. Und diese Gefühle sind mir wichtig und die möchte ich immer bei mir tragen und auch teilweise stolz zeigen.

 

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