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Sorgt das Internet für mehr Demokratie?

Ich beschäftige mich im Moment für die Uni mit dem Thema Internet und Populismus. Dabei stoße ich immer wieder auf die Frage, ob das Internet für mehr Demokratie und für mehr politische Deliberation sorgt, oder nicht.

Natürlich gibt es viele Argumente, die für das Internet sprechen: Fast jeder ist in der Lage das Internet zu nutzen. Die Informationsübertragung und die Kommunikation sind dank des Internets unfassbar schnell und günstig. Jeder kann seinen eigenen Blog erstellen, in Foren unterschiedlichster Art diskutieren, oder Youtube-Videos zu jedem erdenklichen Thema hochladen. Umgekehrt hat jeder, der einen Internetzugang hat, die Möglichkeit diese Inhalte zu konsumieren.

Im Internet kann man zu jedem Thema Informationen und Communities finden, ob Star Trek Fanclub oder vegane und glutenfreie Rezepte für Muffins. Wir können uns mit jedem auf der Welt vernetzen und die geographischen Grenzen verlieren immer mehr an Bedeutung. Personen, die sich in der realen Welt nie getroffen hätten, werden durch das Internet beste Freunde.

vegane glutenfreie MuffinsStar Trek Screenshot

(http://www.chefkoch.de/rezepte/3136951467150110/Muffins-vegan-eifrei-milchfrei-glutenfrei.html) (http://www.sternenbasis-wilhelmshaven.de/)

Die Informationen, die wir im Internet finden können, bieten eine unglaubliche Vielfalt, verschiedenste politische Meinungen werden verteidigt. Jede erdenkliche Kultur ist vertreten, jede Religion, jeder Glaube und jede Sekte sind im Internet unterwegs und Menschen unterschiedlichster Herkunft finden dort ihren Platz.

So wird nicht nur die Kommunikation zwischen Privatpersonen auf der kompletten Welt ermöglicht, sondern auch die Kommunikation zwischen Politikern und den Bürgern oder den Medien und den Lesern. Dank des Internets ist es viel einfacher direktes Feedback in den Kommentarspalten von Online-Zeitungen zu geben oder auf Tweets von Politikern zu reagieren.

Doch sorgt das Internet wirklich für mehr Vielfalt und bessere und direktere Kommunikation?

Durch die Algorithmen von Suchmaschinen und Webseiten bilden sich filter bubbles um uns herum. Wir finden nur noch das bei Google, was unseren vorherigen Suchanfragen entspricht. Vielleicht gelangen wir so sogar in sogenannte echo chambers. Echo chambers beschreiben das Phänomen, wenn sich eine Person beispielsweise extrem für den Ausbau der deutschen Autobahnen einsetzt (ich versuche ein mit nicht allzu viel Spannung geladenes Thema auszuwählen). Diese Autobahn Person folgt auf Twitter im Extremfall nur anderen Leuten, die auch für den Ausbau von Autobahnen sind. Durch die anderen hört man also nur noch ein Echo der eigenen Meinung, so verstärkt sie sich.

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Einige Wissenschaftler vermuten, dass dieses Phänomen auch bei Anders Breivik aufgetreten ist und er sich ohne das Internet, filter bubble und echo chamber nie so sehr radikalisiert hätte. Selbstverständlich ist das ein sehr krasses Beispiel.

Werden wir durch die filter bubble blind? Im Internet sind unzählige Informationen und Meinungen. Natürlich muss der Mensch filtern. Doch wie tief befinden wir uns in unserer filter bubble? Wird die bubble schon zu einer echo chamber?

Nicht zu vergessen sind natürlich die fake news. Was soll man eigentlich noch glauben? Ich habe gelesen, dass Russland die Annektion der Krim nie so gelungen wäre, wenn Prorussische Akteure die Medien nicht manipuliert hätten.

Filter bubbles, echo chambers, fake news und so weiter…kein Wunder, dass meine Oma mit dem Internet nichts zu tun haben will. Aber ist das der richtige Weg?

Ich weiß nicht, ob das Internet für mehr Demokratie sorgt oder die Demokratie gefährdet. Ich weiß nur, dass das Internet mit seiner Personalisierung und Individualisierung ganz anders funktioniert als Massenmedien wie Radio oder Fernsehen. Und ich weiß, dass das Internet an sich nicht gut oder böse ist. Die Voraussetzungen des Internets unterscheiden sich von denen von anderen Medien, keine Frage. Doch es kommt darauf an, was wir mit dem Medium machen. Jedes Medium kann missbraucht werden, das haben Hitler und Goebbels leider bewiesen.

Es kommt auf uns an, wie wir das Internet benutzen. Wir sollten uns das Internet zunutze machen, um unseren Horizont zu erweitern, mit Leuten auf der anderen Seite der Erde in Kontakt zu treten oder etwas über fremde Kulturen zu lernen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr eine Meinung zu dem Thema habt und einen Kommentar da lassen würdet 🙂

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Digital-Detox oder Mittagspause ohne Handy

Ich habe heute Mittagspause ohne Handy gemacht. Man kann es nicht wirklich als Mittagspause bezeichnen, da ich nur im Vorraum der Uni-Bibliothek ein Brötchen gegessen habe und einen Kaffee getrunken habe. Man kann auch nicht wirklich sagen, ohne Handy, denn mein Handy war die ganze Zeit in meiner Tasche, ich habe es nur nicht benutzt. Soviel dazu.

Ich möchte das jetzt nicht als Digital-Detox oder Smartphone-Auszeit bezeichnen, es kam einfach so. Und ich finde, das sollte öfter einfach mal so kommen. Ich mag das nicht, dass ganze Urlaube oder „Erlebnistage“ als Digital-Detox vermarktet und teuer verkauft werden. „Buchen Sie jetzt mit ihrer Smartphone-App ein Wochenende ohne Social-Stress und entspannen Sie so richtig.“ Das ist doch paradox.

Es ist doch viel schöner, wenn das einfach mal so passiert. Ich gebe zu, mir passiert das selten. Wenn ich in meiner Freizeit zu Hause eine Serie gucke und dann zwischendurch mal aufs Klo muss, dann pausiere ich die Folge und mache das Radio an. Ja nichts von der Serie verpassen, aber bloß keine Stille ertragen. Nur um 2 Minuten aufs Klo zu gehe – absurd. Geht das nur mir so, dass ich die Stille in meiner eigenen Wohnung nur selten ertrage?

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Den ganzen Tag lassen wir uns bedudeln, berieseln, volltexten, vollquatschen…Kein Wunder, dass manche Leute das Gefühl bekommen Digital-Detox machen zu müssen. Aber zurück zu meiner Mittagspause. Ich arbeite im Moment an meiner Bachelorarbeit und sitze den größten Teil meines Tages in der Bibliothek vor meinem Laptop. Oder ich sitze zu Hause vor meinem Laptop. Oder ich sitze vor einem Buch, ist das schon Digital-Detox? Auf jeden Fall saß ich heute Vormittag auch wieder die ganze Zeit vor meinem Laptop. Kopfhörer natürlich in den Ohren. Irgendwann war es mir dann genug und ich holte mir meinen eher-nicht-wohlverdienten Kaffee (ich war vorher nicht allzu produktiv) und ein Brötchen.

Ich setzte mich auf eine der Bänke vor der Bibliothek, in den Bereich, indem man nicht strafgesetzlich verfolgt wird, wenn man etwas anderes als Wasser aus Flaschen zu sich nahm. Ich weiß nicht, wie es dazu kam aber ich hatte irgendwann beim Bäcker mein Handy in meine Tasche geschmissen und seitdem kurzzeitig vergessen.Da saß ich also auf dieser Bank mit meinem Kaffee und dem Brötchen und ließ so meine Gedanken schweifen. Okay, ich gebe es zu ich beobachtete hauptsächlich die Menschen, die an mir vorbeiliefen.

Ich würde sagen, fünfundsiebzig Prozent davon waren Studenten-Hipster. Weiße Sportsocken in Sneakers bis zu den Knöchel hochgezogen liefen an mir vorbei. Ein alter Mann mit schneeweißen Haaren rannte auf das Bibliotheksgebäude zu. Er war mit mindestens vier Taschen beladen. Im Gebäude angekommen flitzte er weiter. Wohin bloß und warum? Warum hatte er so viele Taschen? Wahrscheinlich einer dieser verrückten Professoren.
Eine Studentin telefonierte schon seit mindestens einer viertel Stunde auf Italienisch. Außer „Si“ verstand ich nicht viel. Irgendwann verschwand sie nach Draußen zum Rauchen und die südländische Hintergrundmusik meiner Mittagspause war verschwunden.Hipster Nummer 23 lief an mir vorbei, ganz in schwarz-grau.

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Als mein Kaffee halb leer war, fiel mir auf, dass ich weder Musik hörte, noch mit irgendjemand auf whatsapp schrieb oder sonst wie an meinem Smartphone herumdaddelte. Das gefiel mir. Die Leute im realen Leben waren doch genauso interessant zu beobachten wie die virtuellen. Das könnte ich öfter mal machen. Vielleicht sollte ich eine Smartphone-freie-Mittagspause einführen. Obwohl, nee das klang mir schon wieder viel zu sehr nach Digital-Detox. Es ist doch viel besser, wenn das einfach so kommt. Ohne Zwang. Ist da ein Zwang oder eine Herausforderung oder etwas, was wir uns bewusst vornehmen müssen, dann gestehen wir uns ja auch selber irgendwie ein, dass wir süchtig sind. Oder zumindest uns in einer Vorstufe der Sucht befinden.

Ich habe gestern im Radio (ja ich gebe es zu, im Radio, das ich über Smartphone oder Laptop höre, da ich kein Radiogerät habe) gehört, das viele Leute besonders jetzt in der Zeit nach Fasching, „Smartphone-Fasten“ machen. Vom Fasten habe ich noch nie viel gehalten. Zu viel Zwang. Zu wenig langfristig. Was bringt euch das denn, wenn ihr eine Woche in die Digital-Detox-Kur fahrt aber dann das gesamte Jahr 24/7 vor dem Touchscreen hängt? Was bringt es einem, wenn man zwischen Fasching und Ostern keine Süßigkeiten zu sich nimmt, danach ganz normal weiter isst und an Weihnachten futtert, als ob ein Lebensmittelengpass bevorsteht? Ich habe nichts gegen Essen, ich liebe Essen und genauso geht es mir mit meinem Handy und meinem Laptop. Ich mag nur dieses Kurzfristige und Gezwungene nicht.

Warum sagt ihr euch nicht „Hey das war nett ohne auf das Handy zu schauen  meine Mittagspause zu verbringen. Das wäre cool, wenn das mal öfter so wäre“? Und dann, ganz locker, öfter mal die Mittagspause ohne Smartphone verbringen . Oder meinetwegen auf dem Weg zur Arbeit nicht drauf zu gucken, wenn es in der Pause unentbehrlich ist. Aber nicht nur für eine Woche oder fünf und dann das Ende erwartungsvoll herbeihecheln wie ein Hund sein Leckerli. Einfach langfristig und ohne Zwang!

späti story: „Berliner Luft“ und Eier

 

Ich arbeite neben meines Studiums bei einem Späti. Logischerweise arbeite ich deshalb nachts und manchmal begegnen einem da schon merkwürdige Leute, oder es passieren lustige Dinge. Natürlich nichts Welt bewegendes aber vielleicht das ein oder andere unterhaltsame Erlebnis. Hier das erste…

Freitagabend irgendwann nach 23:00 Uhr:

„Zurück in die Zukunft“ war leider gerade vorbei (ja ich genieße das Privileg fern bei der Arbeit schauen zu können) und langsam lief nur noch Scheiß im Fernsehen. Wie das halt so ist, bei fortgeschrittener Stunde. Zum Glück war meine Schicht bald zu Ende.

Ein junger Hipster, ganz in Grau, kam rein und kaufte zwei Augustiner und Zigaretten -typisch. Eine Minute nachdem er den Laden verlassen hatte, kam er schon wieder und fragte mich ob ich „Berliner Luft“ hätte. Davon hatte ich noch nie was gehört. Vielleicht bin ich einfach schlecht informiert, aber hier in Weimar gibt es eher weniger Berliner Luft. Dafür ist die Entfernung dann doch zu groß.

Hier gibt es eben eher Weimarer Luft, oder Pfeffi, den der Hipster dann mitnahm. Ich hab zwar das Gefühl, dass Berliner Luft irgendwie cooler ist als Nordhäuser Pfeffi, aber wer weiß…

Auf den Berliner Luft Hipster folgten einige nette bis ereignislose Kunden.

Kurz vor Ende meiner Schicht kam mein Kollege, um mich abzulösen. Er blieb in der Tür stehen und zeigte auf die andere Straßenseite. Wir traten vor den Laden und beobachteten eine mittel alte Frau, die Eier an die gegenüberliegende Hauswand warf – gegen das Büro der CDU wohlgemerkt. Die Vandaliererin schien uns bemerkt zu haben und zeterte irgendwas Unverständliches, leicht verrückt Klingendes. Ich bekam langsam Schiss, dass wir auch gleich mit Eiern beworfen wurden, also nahm ich lieber wieder meinen Platz hinter der Kasse ein.

Die restliche Schicht verlief ruhig, als ich jedoch den Laden verließ,  wurde ich von einem Polizisten angesprochen. Da merkt man mal, wie viel hier in Weimar so los ist, wenn da gleich bei ein paar geworfenen Eiern die Polizei anrückt. Nachdem ich meinen Namen genannt hatte und beschrieben, was ich beobachtet hatte durfte ich aber dann zum Glück gehen. Kein Verhör auf der Polizeiwache.

Ein ganz normaler Abend in „Weimars ersten und einzigen Späti“. War mir aber dann doch lieber als irgendwelche Putschversuche oder Terroristen.

Die Eierschalen klebten übrigens am Samstag immer noch an der CDU.

Der Wandel des Fotojournalismus

Für ein Seminar an der Uni habe ich einen Blogeintrag zu dem Thema Fotojournalismus geschrieben. Das ist mal bisschen was anderes und eher wissenschaftlich, aber ich dachte ich veröffentliche das trotzdem mal hier:

Im Journalismus spielen besonders die Bilder eine wichtige Rolle, denn sie implizieren Wahrheitsgehalt. Das lässt sich mit Dubois belegen: „Es herrscht so etwas wie eine grundsätzliche Übereinstimmung darüber, dass das fotografische Dokument die Welt getreu wiedergibt. [Das] beruht auf dem Wissen vom sogenannten Automatismus seiner technischen Genese.“ Deshalb werde ich die Entwicklung des Fotojournalismus im digitalen und vernetzten Zeitalter analysieren. Hierbei spielt der citizen journalism eine zentrale Rolle. Damit geht die Frage einher: sorgt das Internet für mehr Demokratie und Gleichheit?

Der Digitalisierungsprozess des Fotojournalismus begann Ende der 1980iger Jahre als die ersten Digitalkameras auf den Markt kamen. Diese wurden zunächst nur von professionellen Fotografen benutzt, da die Technik sehr teuer war. Die digital erzeugten Bilder konnten schneller be- und verarbeitet werden. 1990 erweiterte das Internet die bisherigen Datenbanken, was die Verbreitung erleichterte. Anfang des 21. Jahrhunderts kam es dann zu einem zweiten Digitalisierungsschub, da die Technik nun auch für Privatpersonen erschwinglich wurde (vgl. Grittmann 2008: 19 ff).Das Aufkommen des Smartphones intensivierte diese Entwicklung. Im Februar 2015 besaßen ungefähr 45,6 Millionen Deutsche ein Smartphone und es wird erwartet, dass diese Zahl steigt. Aufgrund dieser  Verbreitung haben viele Menschen die Möglichkeit günstig, einfach und schnell Fotos zu machen. Denn die meisten haben ihr Handy immer dabei und können sofort Fotos oder Videos von interessanten Ereignissen machen. So ist das Phänomen des Citizen Journalism entstanden.

In seinem Aufsatz Videotech beschreibt John Fiske ausgehend vom Rodney King Video eine der ersten Formen des Bürgerjournalimus. Dieses Amateurvideo zeigt, wie der Afroamerikaner Rodney King 1991 brutal von Polizisten geschlagen getreten und schließlich verhaftet wird Rodney King Video. Aufgrund des Videos mussten sich die Polizeibeamten vor Gericht verantworten. Laut Fiske markiert dieses Video einen Umbruch. Dieser besteht darin, dass sich nun die Bürger gegen Staatsgewalt und einseitige Berichterstattung der Medien mit ihrer Kamera wehren können (vgl. Fiske 1998: S. 153). Seitdem gab es weitere Vorfälle, bei denen ein Camcordervideo als Beweismaterial angeführt wurde. Daraus entwickelten sich sogenannte videoguerillas oder videoactivists, die ihre Kameras nutzten um soziale Kritik zu üben. Diese Aktivisten überwachten sowohl die Polizei als auch Fernsehteams. Während des Golf Krieges zum Beispiel wich die Berichterstattung der Massenmedien wenig von der Meinung der Regierung ab und es gab kaum kritisches Material. Also rief eine Organisation von Videoaktivisten dazu auf, unabhängige Informationen einzuschicken. Daraufhin sendeten Bürger hunderte von Kassetten mit regierungskritischem Material ein. Fiske kommt zu dem Schluss, dass die kleinen und handlichen Camcorder eine ideale Waffe sind, um die Polizei und die klassischen Massenmedien zu überwachen (vgl. ebd.: S.159 ff.).
Das lässt sich sehr gut auf das noch handlichere Smartphone mit seiner integrierten Kamera übertragen. Hinzu kommt, dass heutzutage (ca. 25 Jahre später) das Foto und Video Material sehr viel schneller verbreitet werden kann und eine größere Reichweite hat.

Citizen Journalism zeichnet sich also dadurch aus, dass quasi jeder als Fotojournalist agieren kann. Das sorgt für Demokratisierung. Dieses Argument lässt sich aus Habermas’ Begriff der deliberitären Demokratie ableiten. Demnach ist der öffentliche Diskurs Voraussetzung für die Demokratie und das Internet bietet neuen Raum dafür.
Außerdem werden etablierte Medieninstitute geschwächt. Das lässt sich wieder mit Habermas belegen: „Die Nutzung des Internet hat die Kommunikationszusammenhänge zugleich erweitert und fragmentiert. Deshalb übt das Internet (…) eine subversive Wirkung auf autoritäre Öffentlichkeitsregime aus“ (Habermas 2005).

Die Hoffnung auf mehr politische Partizipation, die mit dem Aufkommen des Internet einherging, ist jedoch inzwischen ein wenig abgeflaut. Es gibt zwar mehr Platz für Diskurse durch das Internet, allerdings sind diese selten politisch relevant (vgl. Lovink 2012: S. 10). Außerdem sorgen zum Beispiel die Personalisierungsalgorithmen (anhand von Verlauf und Standort) von Google, dass wir in einer filter bubble surfen. Das Problem ist, dass diese Individualisierung nicht von dem Benutzer, sondern vom Medium selber aus geht (vgl. Esposito 2013: S. 239). So entsteht eine Informationsungleichheit.

Was passiert mit den bereits etablierten Medienunternehmen?
Darauf könnte man ganz einfach mit Lovink antworten: „Heute ist das Fernsehen zu langsam, und so greifen die Nachrichten bei sekundenaktuellen Informationen auf Twitter zurück“ ( Lovink 2012: S.21). Die traditionellen Nachrichten verschwinden also nicht, sondern verlagern sich immer mehr ins Internet (vgl. Esposito 2013: S. 241).

Zudem arbeiten viele etablierte Medieninstitutionen mit Amateur-Journalisten zusammen. Das war zum Beispiel bei den London Bombings 2005 der Fall. Am Tag der Ereignisse gingen bei der BBC nach eigenen Angaben 300 Fotos von Privatleuten ein.

Underground

Quelle: BBC

Seit 2006 griffen deutsche Printmedien wie die Saarbrücker Zeitung oder die Bild diesen Trend auf und forderten ihre Leser auf, eigene Bilder einzuschicken (vgl. Grittmann).

Abschließend möchte ich auf die Rolle des Fotos im Internet eingehen. Denn das Bild ist im Internet nicht nur aufgrund seines Wahrheitsgehalts besonders wichtig, sondern auch, weil es besonders schnell wirkt. Das ist essentiell, denn das Internet ist von Schnelligkeit geprägt (vgl. Herzau 2012).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Internet nicht zu so viel mehr  Demokratie und Gleichheit geführt hat, als zu Beginn erhofft. Dennoch eröffnet das Internet neue Partizipationsmöglichkeiten, die sowohl für die Bürger als auch auf für die Institutionen neue Chancen bieten. Dem Foto kommt in dieser Entwicklung eine besondere Rolle zu, die sich aus impliziertem Wahrheitsgehalt und seiner schnellen Wirkung zusammensetzt.

Falls euch solche Texte interessieren verlinke ich euch hier den Link zu dem Blog von unserem Seminar: Vernetzte Bildmedien. Dort werde im Laufe der nächsten Wochen noch mehr Beiträge zum Thema Fotografie und Digitalisierung hochgeladen.

Flashback: Streetart Barcelona

Meine Zeit in Barcelona liegt jetzt schon eine Weile zurück. Ich habe aber in meiner letzten Woche dort an einer Streetart Tour mitgemacht und wollte einige der Bilder mit euch teilen.

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Graffiti von konair der hauptsächlich Eismotive sprayt

 

 

Stencils von der peruanischen Künstlerin Bronik

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Stencil von dem katalanischen Künstler Rice

 

 

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Mosaikbild von dem Pariser Künstler space invader

 

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Interessant finde ich nicht nur, dass verschiedenste Techniken, Stile und Farben verwendet wurden, sondern dass man auf so viele Künstler von überall auf der Welt trifft.

 

Auslandssemester 3.0 / Ende

Wenn ihr meinen Blog ein bisschen verfolgt habt, dann habt ihr wahrscheinlich auch mitbekommen, dass ich ein Auslandssemester in Barcelona gemacht habe. Dieses Auslandssemester ist nun seit gut einem Monat zu Ende und ich bin wieder in Deutschland. Hier kommt also der letzte Beitrag zu meinem Erasmus Aufenthalt in Spanien.

Die letzte Woche in Barcelona verbrachte ich wie vorhergesagt mit den Dingen, die ich bisher noch nicht geschafft hatte zu machen. Da keine Uni mehr war, hatte ich genug Zeit dafür.

Ich nahm an einer Streetarttour teil, die sehr empfehlenswert ist. Besonders wenn man Graffitis mag, so wie ich. Link zur Tour http://barcelonastreetstyletour.com/. Anders als auf der Webseite beschrieben war die Tour zum Glück auf Englisch.

 

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cut out von bronik
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Graffiti von verschiedenen Künstlern

 

Da ich mich nun schon eh wie der typische Tourist verhielt, beschloss ich auch noch ins Museum zu gehen. Und zwar in das MACBA (unter Skatern eher für die Rampen und Treppen davor bekannt), das einige Interessante Ausstellungen zu bieten hat. Ich sah mir eine Ausstellung an, in der hauptsächlich Fotografien von Barcelona, die in den 60iger Jahren entstanden sind, gezeigt wurde. Da ich nun schon eine Weile in Barcelona gelebt hatte und einige Plätze wiedererkannte, war das natürlich besonders interessant.

eines der Bilder von Xavier Miserachs, das mich am meisten beeindruckt hat

Das war’s dann aber auch schon wieder mit dem Touri-Programm. Ich genoss meine freie Zeit, versuchte so viel wie möglich mit meinen Freunden  zu machen und suchte noch einmal mein Lieblingscafé zum letzten Mal auf.
Ich versuchte so viele Sonnenstrahlen wie möglich zu sammeln (in Deutschland weiß man ja nie…) und musste dann zusehen, dass ich meine ganzen Klamotten und anderen Sachen untergebracht bekam.

Ich hatte einen riesen Koffer und einen Rucksack. Meine Mutter hatte zum Glück schon einen Koffer mitgenommen als sie zu Besuch war. Mein Koffer, in den ich locker selber gepasst hätte, war aber trotzdem noch sehr groß und schwer.

Mein Flug ging um Samstag um sieben Uhr morgens, also musste ich irgendwann früh morgens mit dem Nachtbus zum Flughafen fahren. Da mir das mit dem Gepäck viel zu stressig war, brachte ich meinen Koffer schon einen Tag vorher zum Flughafen. Zum Glück, denn ich hatte einige Transportschwierigkeiten. Besonders bei den Metro Haltestellen ohne Aufzug. Aber netterweise halfen mir deutsche und französische Touristen. Obwohl der Franzose selber ein wenig überfordert war und wir den Koffer dann zusammen trugen.

Den Karfreitag verbrachte ich noch in Barcelona und sah mir die sehr katholische Karfreitagsprozession an. Da ich wenig, bis gar nicht religiös bin, erschienen mir die barfüßigen, vermummten Gestalten ein wenig befremdlich.

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Leider habe ich kein besseres Foto, aber vielleicht kann man sich ja auch so  vorstellen, wie die Prozession war.

Abends, beschloss ich dann erst gar nicht schlafen zu gehen, aus Angst meinen Flieger zu verpassen. Also blieb ich irgendwie bis halb vier wach und machte mich dann auf den Weg zum Flughafen. Der Busfahrer war super gut drauf, trotz der frühen Stunde, und begrüßte jeden Fahrgast freundlich mit „Hola, Buenos días“. Das konnte meine Nervosität allerdings auch nicht mindern, denn ich hatte ziemliche Panik etwas vergessen zu haben.

Sehr pünktlich kam ich am Flughafen an und durfte erst mal 60€ extra bezahlen, da ich fünf Kilo Übergepäck hatte. Aber irgendwas da lassen war nun mal keine Option. Bei einem Billigflieger wie vueling war das eigentlich auch keine große Überraschung.
Immerhin hatte ich im Flugzeug dann eine Sitzreihe für mich und konnte ausgestreckt ein wenig schlafen. Da ich beim Fliegen allerdings immer ein wenig nervös bin und mich das Gefühl etwas vergessen zu haben immer noch nicht ganz verlassen hatte, konnte ich mich nicht vollkommen entspannen.

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Wohlbehalten kam ich dann in Frankfurt an und überließ den Rest der Reise meinem Freund, der mich zum Glück abholte.

Inzwischen bin ich schon seit vier Wochen wieder in Deutschland und  habe mich einigermaßen wieder eingelebt. In meiner Wohnung, die ich für das halbe Jahr untervermietet hatte, war alles weitestgehend in Ordnung. Ich musste nur sieben (teilweise sehr schwere) Kisten aus dem Keller hochtragen und ausräumen.
In Weimar, wo ich studiere, hat sich kaum etwas verändert und die Uni ist inzwischen auch wieder in vollem Gange.
Wenn ich rückblickend auf meine Zeit in Barcelona blicke, dann war es auf jede Fall eine spannende, schöne, aber auch manchmal schwierige Zeit. Ich bin sehr froh, das Auslandssemester gemacht zu haben. Denn ich habe gelernt, eigenständig und unabhängiger zu sein und viele neue Leute und Kulturen kennen gelernt.
Es war anders als gedacht, sehr aufregend, aber doch nicht so aufregend wie ich zuerst gedacht hatte. Auf jeden Fall bin ich glücklich, diese Erfahrung gemacht zu haben.

Wenn ihr also die Möglichkeit habt eine Weile im Ausland zu verbringen, würde ich das auf jeden Fall empfehlen.

Schlaf

Weiches Weiß
Flauschige Federn
Lautes Gähnen
Wohliges Seufzen

Ein  Körper der sich in  einem Berg  aus  Kissen vergräbt
Die Realität wird von Träumen abgelöst
Geschichten die keinen Sinn ergeben
Wirre Versionen von dem was am Tag geschah

Sechs Stunden, acht Stunden, zehn Stunden

Ruhe für  den  Körper
Erholung  für  die Seele   Erleichterung für das Gehirn

Ob REM oder  Non-REM Paralysiert  oder  sinnfreie Dinge sprechend
In Tokio oder  in der  Antarktis

Wir tun es immer wieder
Und verbringen damit die meiste Zeit unseres Lebens:

Schlaf

Streetart: Dosenkunst

Wer schon mal in Barcelona im Viertel „El Raval“ war, dem sind vielleicht die bunten Dosen aufgefallen, die an manchen Hauswänden kleben. Ich habe einige von ihnen entdeckt und beschlossen eine kleine Fotoserie daraus zu machen.
In „El Raval“ findet man sehr viel Streetart, besonders Graffitis, aber eben auch Dosenkunst. Ich hab herausgefunden, dass dieser Künstler nicht auf Suche nach Aufmerksamkeit ist, wie viele andere Streetart Künstler. Es ist dementsprechend nicht viel über in bekannt. Ich habe jedoch erfahren, dass er mit seiner Kunst lediglich das Stadtbild verschönern möchte und den Menschen ein positives Gefühl mit seinen Dosensprüchen vermitteln will.

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“ A lo loco se vive mejor“ heißt auf Deutsch „verrückt lebt es sich besser“ 

 

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„I’m doing nothing“

 

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„Dream Big“

 

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„Sabor a mi“ bedeutet so viel wie „nach meinem Geschmack“

 

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„La cabeza en las nubes y los bolsill llenos de suenos“ würde ich mit „den Kopf in den Wolken und die Taschen voller Träume“ übersetzen

 

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„Don’t Worry“

 

Bei mir ist das positive Gefühl auf jeden Fall  angekommen. Vielleicht gefallen euch die Dosensprüche ja genauso wie mir. Also falls ihr mal nach Barcelona kommt, haltet Ausschau nach ihnen!

 

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„Smile“

Auslandssemester: Fortsetzung 2.0

Hier kommt die nächste Fortsetzung über Auslandssemester. Dieses Mal geht es um Chaos mit meinen Unikursen und einen Umzug…Viel Spaß.

Nach Weihnachten fing dann Mitte Januar die Uni wieder an. Ich hatte meine Kurse schon im Sommer gewählt und ich fand heraus, dass sich einige zeitlich überschnitten. Bei anderen stellte sich wieder heraus, dass sie auf Katalanisch waren. Also musste ich mehr oder weniger meinen kompletten Stundenplan für das zweite Trimester  ändern.
Eine Woche lang besuchte ich verschieden Kurse, überlegte, schrieb mich um und bewarb mich für neue Kurse. Aufgrund meiner Verpeiltheit verpasste ich ein paar Mal die erste Veranstaltung. Nach zwei Wochen hatte ich dann aber alles endgültig geklärt. Nun waren zum Glück alle meine Kurse auf Englisch. Ich nahm an zwei Journalismus Kursen teil und an einem PR Kurs. Zusätzlich dazu machte ich wieder einen Spanisch Kurs.
In den ersten paar Wochen lernte ich viele neue Erasmus Studenten kennen, die erst dieses Jahr in Barcelona angekommen sind. Meine Kurse machten mir mehr Spaß als im letzten Trimester. Allerdings ging mir der PR Kurs nach einer Weile ziemlich auf die Nerven. Der Kurs Journalism specialized in culture gefiel mir aber dafür umso besser und ich hatte die Möglichkeit jede Woche eine journalistischen Essay über ein kulturelles Thema zu verfassen.

In meinem letzten Eintrag über mein Auslandssemester habe ich beschrieben, dass wir „Probleme“ mit dem Strom hatte. Deshalb bezogen wir seit November nicht ganz legal unseren Strom. Das schien unseren Vermieter allmählich ein bisschen nervös zu machen und er teilte uns Ende Februar mit, dass wir innerhalb eines Monats ausziehen müssen.
Ich habe kaum Ahnung von spanischen Gesetzen, aber ich war mir ziemlich sicher, dass wir nichts gegen die Entscheidung unseres Vermieters machen konnten.
Also musste ich mir für den März eine neue Wohnung suchen. Das war gar nicht so einfach, denn ich brauchte nur etwas für einen Monat und niemand vermietet ein Zimmer für so kurze Zeit. Also suchte ich auf Airbnb und wurde  innerhalb von ein paar Tagen fündig. Aus Angst, dass ich sonst keine andere Wohnung mehr bekam, buchte ich ein Zimmer in einer Airbnb WG in El Born. Ein sehr schönes altes Viertel, zwar leider mit ein paar zu viele Touris aber dennoch sehr schön.

Ende Februar kam mich dann mein Freund besuchen. Wir verbrachten noch ein paar Tage in der alten Wohnung in Eixample, dann zogen wir zusammen um. Ich hatte riesen Glück, dass ich nicht alleine war, denn meinen riesigen Koffer, der bestimm 25 Kilo wog und die anderen Taschen hätte ich nie alleine tragen können. Nach einer etwas anstrengenden Metrofahrt (aufgrund des Gepäcks) kamen wir dann in El Born an. Natürlich gab es keinen Aufzug und nur eine sehr schmale Treppe. Das war nicht so spaßig mit dem Gepäck, besonders nicht für meinen Freund, der meinen großen Koffer schleppen durfte.
Oben angekommen wurden wir von einer Spanierin begrüßt, die gerade ausreichend Englisch sprach, um uns die Wohnung zu zeigen. Auf den ersten Blick schien alles ganz in Ordnung, die Wohnung war ziemlich alt und schön.

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Nachdem wir jedoch eine Weile allein waren fiel uns auf, dass meine Zimmertür nicht richtig schließt. Wir probierten rum und rüttelten an der Tür, aber es half alles nichts. Ich würde also für einen Monate mit einer kaputten Tür klar kommen müssen. Juhuu.

Mit meinem Freund habe ich dann noch ein bisschen Sightseeing gemacht und unsere Nachbarschaft erkundet.

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Passeig del Born, an dem auch meine Wohnung ist
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nahegelegener Park de la Ciutadella
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mit dem Arc de Triomf

Inzwischen wohne ich schon eine Weile in der Wohnung und ich habe mich mit der Situation arrangiert. Wirklich was daran ändern kann ich nicht.  Ist schon ein bisschen merkwürdig mit Fremden zu wohnen, besonders wenn die Tür nicht richtig schließt. Aber ich habe schon einige nette Gäste kennen gelernt.

Letzte Woche hatte ich meine letzten Abgabetermine und Klausuren. Und nächsten Samstag geht es schon zurück nach Deutschland. Diese Woche werde ich  all die Dinge in Barcelona machen, die ich bisher noch nicht geschafft habe. Und meine letzten Tage hier genießen.

Ich denke ich werde nach diesem Eintrag noch einen Abschlussbeitrag zu meinen Auslandssemester machen, also bleibt dran.

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